Zufallskarte

Flöte von G...
Image Detail
Valid XHTML 1.0 Strict CSS ist valide!

Altstadt von Regensburg mit Stadtamhof - UNESCO-Weltkulturerbe in Deutschland & Sehenswürdigkeit

Altstadt von Regensburg mit Stadtamhof

Das UNESCO-Welterbe in Regensburg heißt offiziell „Altstadt Regensburg mit Stadtamhof“. Es wurde 2006 als Weltkulturerbe anerkannt. Im Hochmittelalter war Regensburg eines der politischen Zentren des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Ebenso gab es einen regen Handel mit Waren aus ganz Europa.  Regensburg galt damals nicht als der Ostzipfel Bayerns sondern es war der Nabel. Die Altstadt blieb über die Jahrhunderte als intakte mittelalterliche Großstadt erhalten.  Heute ist Regensburg bekannt für die Domspatzen und die Bratwürste. Damals kamen die Menschen in die Stadt wegen des Silbers und der Seide.

Im Stadtbild selbst fallen besonders die Patrizierhäuser und die Geschlechtertürme ins Auge. Aber auch der Regensburger Dom und die alte, aus dem 12. Jahrhundert stammende Steinbrücke sind Wahrzeichen der Stadt.
Das unter dem besonderen UNESCO-Schutz stehende Ensemble entspricht der Ausdehnung der Stadt nach der letzten Erweiterung im Mittelalter. Dies war im Jahre 1320. Unter Denkmalschutz stehen insgesamt 984 Einzeldenkmäler.

Regensburger Ensemble
Wikipedia1

Steinerne Brücke
Wikipedia2

In Deutschland ist Regensburg einmalig. Die Perle am Zusammenfluss von Regen, Naab und Donau gilt als die am besten erhaltene mittelalterliche Großstadt in der Bundesrepublik. Sie konnte sich ihre Antlitz und ihre Ausdehnung im 14. Jahrhundert über die Zeiten hinweg bewahren. Nicht zuletzt deshalb spiegelt Regensburg die wirtschaftlichen, politischen und religiösen Entwicklungen eben jener Zeit wider.

Der Reichtum der Patrizierfamilien spiegelt sich in den Geschlechtertürmen wider.

Damals vermehrten die Patrizierfamilien ihren Reichtum und stellten ihn zur Schau, indem sie sich sogenannte Geschlechtertürme bauen ließen. Dabei handelt es sich um prächtige Verteidigungswerke der einflussreichen Familien. Über die Turmhöhe wurde damals der Reichtum und das Ansehen der Familie bzw. des Handelshauses jedem Besucher oder Angreifer mitgeteilt. Erbaut wurden die Türme vor allem vom 11. bis 14. Jahrhundert.

Die reichen Patrizier stifteten aber auch große Kirchenbauten. Bei einer Vielzahl dieser Bauwerke ist noch heute die originale Ausstattung erhalten. Sie gibt Zeugnis vom Handwerk und der Kunst der damaligen Zeit. Der Regensburger Dom ist das einzige Monument der französischen Kathedralgotik, das östlich des Rheins errichtet wurde. Die aufwändigen, mittelalterlichen Glasmalereien sind wegen ihrer Einzigartigkeit weltberühmt und locken jährlich zehntausende kunst- und architekturinteressierte Touristen an. Die sogenannte Minoritenkirche und die Dominikanerkirche sind die beiden größten, von einem Bettelorden gebauten Kirchen in Deutschland.

Die Steinerne Brücke aus dem 12. Jahrhundert, die die beiden Donauufer miteinander verbindet, zeugt von den Ingenieurleistungen des Mittelalters. Über eben jene Brücke wurden die Altstadt und der Stadtteil Stadtamhof miteinander verbunden.  Über viele Jahrhunderte hinweg war die Brücke der einzige befestigte Donauübergang zwischen Wien und Ulm.

Video über Regensburg

 

Steinerne Brücke war zentraler Knotenpunkt auf einem wichtigen europäischen Transportweg

Schon im 8. Jahrhundert war Regensburg aufgrund seiner zentralen Lage an wichtigen, europäischen Verkehrswegen ein wichtiger Versammlungspunkt. Hier kamen die Großen des karolingischen Reiches zusammen. Als sich das ostkarolingische Reich im 9. Jahrhundert festigte, wurde Regensburg für mehrere Jahrhunderte der Hauptversammlungsort im neuen mitteleuropäischen Staat, wenn es um politische Dinge ging. Dieses wichtigen Status konnte sich die Stadt auch dann bewahren, als sich aus dem ostkarolingischen Reich das Heilige Römische Reich Deutscher Nation formierte. Der Immerwährende Reichstag hatte seinen Sitz in Regensburg von 1663 bis 1806. Der Einfluss des Reichstages wuchs im Machtkonglomerat dieses Staates mit Zentraleuropäischem Anspruch. Neben dem Kaiser selbst durfte nur der Immerwährende Reichstag das Heilige Römische Reich in seiner ganzen Größe repräsentieren.

Noch heute ist der Gebäudekomplex des Reichstages sehr gut erhalten. Er dokumentiert die politischen und transnationalen Strukturen des Heiligen Römischen Reiches. Doch nicht nur im politischen Bereich hatte die Stadt Regensburg eine zentrale Bedeutung. Auch religiös wuchs der Einfluss. So hatte Regensburg beim Vordringen des Protestantismus in den Südosten Europas im 16. Jahrhundert eine Schlüsselrolle inne.  Zwei Sakralbauten veranschaulichen diese Entwicklung. Die Neupfarrkirche wurde 1542 erbaut. Sie ist damit nicht nur die älteste evangelische Kirche in Regensburg sondern sie gilt allen lutherischen Christen im südöstlichen Mitteleuropa als Mutterkirche. Darüber hinaus wurde als Symbol für die überregionale Bedeutung der alten Reichsstadt 1627 die Dreieinigkeitskirche errichtet. Auch sie wird als Hort des Luthertums verehrt und diente als Vorbild für viele evangelische Sakralbauten im Süddeutschland.

Kloster Sankt Emmeran
Wikipedia3
Salzstadel
Wikipedia4

 

Langsames Versinken im Dornröschenschlaf und Wiedererwachen im vereinten Europa

Im Laufe der Jahrhunderte fing Regensburg an, langsam dahin zu dämmern. Die bayerischen Herzöge bemühten sich, der freien Reichsstadt immer mehr die Luft zum Atmen abzuschneiden. Und so wurde Regensburg langsam ärmer und ärmer. Es strömten zwar immer noch Künstler und Intellektuelle in die Stadt mit multikulturellem Flair, jedoch spiegelt sich die Verschiebung der Machtverhältnisse im Tausendjährigen Reich auch in der wechselvollen Stadtgeschichte wider. Doch dank seiner zentralen Lage im Vereinten Europa ist Regensburg mittlerweile aus dem Dornröschenschlaf erwacht und strahlt in neuem, alten Glanz.

Während des Zweiten Weltkrieges bombardierten die Alliierten Regensburg sehr schwer. Wie durch ein Wunder wurde allerdings die von einer Mauer umgebene, mittelalterliche Kernzone verschont. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges setzten die Regensburger alles daran, die mittelalterliche Altstadt mit ihrem kompletten historischen Baubestand zu erhalten. Um die besten Konzepte für die Erhaltung umzusetzen, wurde die Regensburger Altstadt sehr genau untersucht. Damit gilt das Ensemble in Regensburg auch als die in Deutschland am besten erforschte Altstadt aus dem Hochmittelalter.

 

Eine Übersicht mit weiteren UNESCO-Weltkulturerbe & Weltnaturerbe-Stätten in Deutschland finden Sie hier.

 


Quellen:

 

Credits

1 Dom St. Peter und Uhrturm des Alten Rathauses von Regensburg, fotografiert von Stadtamhof nahe dem Eisernen Steg. Zwischen den Dächern findet man zahlreiche Geschlechtertürme aus dem Mittelalter. Die Straße zwischen dem Ufer und den Gebäuden heißt Weinlände.
von Avarim [CC-by-sa 3.0/de], via Wikimedia-Commons

2 Die Steinerne Brücke ist neben dem Regensburger Dom das bedeutendste Wahrzeichen der Stadt Regensburg und gilt als ein Meisterwerk mittelalterlicher Baukunst
von Pigpen & Marc Reimann [CC 3.0 unported], via Wikimedia-Commons

3 St.Emmeram in Regensburg
von Allie_Caulfield [CC-BY-2.0], via Wikimedia Commons

4 Regensburger Stadttor an der Donau mitsamt Salzstadel und Hohem Dom St. Peter im Hintergrund
von Warp. Later version(s) were uploaded by Michael.chlistalla. [Public domain], via Wikimedia Commons

 

Aktualisiert ( Donnerstag, 31. Mai 2012 um 21:08 Uhr )
 

© H[AGE]: Langenwetzendorf (2008 - 2011)